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Wildcampen in Europa - Wo Sie in der freien Natur übernachten dürfen

Artikel Wildcampen in Europa - Wo Sie in der freien Natur übernachten dürfen

Mit dem Wohnmobil durch die Natur fahren und dann dort übernachten wo es Ihnen gefällt. Für viele klingt das nach einem perfekten und abenteuerlichen Urlaub. Besonders wenn in der Hochsaison der Camper, im Sommer, die besten Campingplätze ausgebucht sind, wäre es doch einfach den nächsten Strand anzusteuern und dort zu übernachten. Doch dabei ist Vorsicht geboten. Nicht überall in Europa ist Wildcampen erlaubt und die Bestimmungen hierzu sind oftmals auch schwer zu verstehen. Damit Sie hohen Bußgeldern entgehen und erfahren was “Biwakieren” ist, haben wir hier für Sie die wichtigsten Informationen zum Wildcampen in Europa.

Rechtliche Lage in Europa

Wildcampen ist in den meisten Ländern in Europa verboten. Besonders unbesorgt wildcampen, können Sie in Skandinavien (dazu erfahren Sie aber in den folgenden Abschnitten mehr). Manchmal gibt es auch Ausnahmeregelungen die Ihnen erlauben, legal unter dem Sternenhimmel zu übernachten. Eine Ausnahme ist zum Beispiel das “Biwakieren”. Biwakieren bedeutet, dass Sie unter freiem Himmel ohne Zelt schlafen. Es wird in vielen Ländern geduldet, dass Sie eine Nacht ohne Zelt oder einer sonstigen Unterkunft in der Natur übernachten. Wenn Sie Glück haben, dürfen Sie in manchen Ländern sogar mehrere Nächte an einem Ort bleiben. Für das “Biwakieren” wird meist ein “Biwacksack” genutzt, dieser schützt vor Witterungseinflüssen. In wärmeren Regionen reicht Ihnen vielleicht auch eine Isomatte und ein Schlafsack. Teilweise wird auch in manchen Ländern das Wildcampen von der Polizei geduldet solange Sie Ihren Müll wegräumen und die Schönheit der Natur nicht zerstört wird. Doch diese Regeln sollten Sie immer und überall beachten.

Deutschland

Wildcampen ist in Deutschland generell verboten. Doch es gibt Grauzonen wie zum Beispiel das “Biwakieren”, welches Ihnen erlaubt eine Nacht doch unter dem freien Himmel zu übernachten. Falls Sie aber lieber mit einem Zelt in der Natur übernachten möchten, sollten Sie auf ein Privatgrundstück ausweichen. Bei diesem ist es aber Pflicht vorher nach dem Einverständnis des Besitzers zu fragen. Mit einem Wohnmobil dürfen Sie nur auf gekennzeichneten Flächen übernachten. Wenn Sie Müll hinterlassen, oder auf ein offenes Feuer nicht verzichten können, müssen Sie beachten, dass hohe Bußgelder anfallen. In Deutschland ist campen in Naturschutzgebieten strengstens verboten. Doch in dem schönem Nationalpark Sächsische Schweiz gibt es 57 offizielle Übernachtungsstellen. Auch im Pfälzer Wald dürfen Sie in der freien Natur schlafen, hier müssen Sie sich aber vorher anmelden. Wenn Sie lediglich eine Nacht unter freiem Himmel übernachten möchten, können Sie dies in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Dies gilt aber auch nur außerhalb eines Naturschutzgebietes und ohne Fahrzeug.

Spanien

Wenn Sie mit dem Wohnmobil in Spanien unterwegs sind, dürfen Sie nur auf ausgewiesenen Plätzen übernachten. Zelten dürfen Sie aber auch auf Privatgrundstücken. Natürlich nur mit der Erlaubnis des Grundstückseigentümers, diesen auszumachen ist aber in Spanien nicht ganz einfach. In beliebten Regionen und in Küstennähe ist Wildcampen nicht erlaubt und wird auch besonders viel kontrolliert. Die Strafen variieren dabei zwischen 30-80 €. Oftmals kam es aber auch schon zu höheren Bußgeldern. Eine Ausnahme bildet die Pilgerstadt Santiago de Compostela, dort dürfen Sie auf den letzten 100 Metern am Wegesrand übernachten.

Italien

Auch in Italien haben Sie als Wildcamper schlechte Chancen wenn Sie erwischt werden. Denn auch dort ist das Wildcampen generell verboten. Doch wie auch in Spanien können Sie sich mit Grundstückseigentümern absprechen, um dort unter dem Sternenhimmel zu nächtigen. Sie können aber auch versuchen eine Ausnahmegenehmigung bei den örtlichen Behörden zu beantragen. Besitzen Sie keine und Sie werden erwischt, kommt es darauf an ob Sie mit Zelt oder Wohnmobil campen. Die Bußgelder in Italien bewegen sich zwischen 100-500 €. Wenn Sie etwas zu viel des guten italienischen Weins getrunken haben, gestatten Ihnen die Behörden ausnahmsweise im Freien zu schlafen. Aber auch nur so lange, bis Sie wieder fahrtüchtig sind.

Niederlande und Belgien

In den beiden Nachbarländern ist Wildcampen ebenfalls verboten<. Besonders in Küstennähe und Touristenorten wird dies auch kontrolliert. Wenn Sie nicht mit einem Wohnmobil unterwegs sind, sollten Sie auf Pfahlcamping-Plätze achten. Diese sind durch Schilder auf Pfählen gekennzeichnet und im Umkreis von zehn Metern dürfen Sie dort Ihr Nachtlager aufschlagen. Die Plätze sind nur sehr schlecht mit dem Auto zu finden. Stellen Sie also Ihr Fahrzeug ab und machen Sie sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf den Weg. Mit GPS oder einer Karte finden Sie diese Naturplätze am besten.

Frankreich

In Frankreich dürfen Sie zelten wenn Sie auf einem Privatgrundstück übernachten und den Besitzer vorher um sein Einverständnis gefragt haben. Ansonsten ist Wildcampen auch in Frankreich untersagt und wird besonders an der Küste, an Stränden und in der Nähe von Sehenswürdigkeiten mit hohen Bußgeldern bestraft. “Biwakieren” ist auch in Frankreich nicht ausdrücklich verboten. Dies dürfen Sie sogar in Nationalparks zwischen 9-19 Uhr, wenn Sie sich etwa eine Stunde Fußmarsch vom Ausgang befinden. Sollten Sie sich unsicher sein wo Sie übernachten dürfen, fragen Sie am besten einfach im Tourismusbüro nach. Mit dem Wohnmobil dürfen Sie allerdings nur auf ausgewiesenen Plätzen stehen.

Schweiz

Je nach Kanton und Gemeinde gelten in der Schweiz verschiedene Regeln. Generell verboten ist das campen in Nationalparks, in Jagdbanngebieten, in vielen Naturschutzgebieten und in Wildruhezonen. Oberhalb der Baumgrenze dürfen Sie meist übernachten. Auf Privatgrundstücken dürfen Sie natürlich nur mit Erlaubnis nächtigen, in der Nähe einer Berghütte sollten Sie auch den Hüttenwart fragen. Achten Sie in der Schweiz am besten auf Schilder falls Sie sich unsicher sind wo Sie übernachten dürfen. Außerdem dürfen Sie, dank des Schweizer Jedermannsrechts, ein oder zwei Nächte auf nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen campen wenn diese sich nicht in einer Schutzzone befinden. Weitere hilfreiche Infos zum Wildcampen in der Schweiz finden Sie auf der Webseite des Schweizer Alpen-Clubs und in dem Merkzettel den Sie auf der Webseite finden.

Österreich

In Österreich ist das Übernachten im Zelt nicht gestattet. Wird man dennoch dabei erwischt drohen hier, im Vergleich mit anderen Ländern, sehr viel höhere Bußgelder. Die Regelungen für das Campen verhält sich je nach Bundesland anders. In Kärnten, dem Burgenland und Niederösterreich wird das Campen als “sehr restriktiv”, also sehr eingeschränkt, beschrieben. In Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg hingegen gelten “weniger restriktive” Regeln. Diese Regeln können Sie auf der Webseite des Alpenverein Österreichs genau nachlesen. Das “Biwakieren” in einer Notsituation (im Falle einer Verletzung, Schlechtwettereinbruch oder Dunkelheit) wird immer geduldet. Vorsätzliches “Biwakieren” wird wie eine Zeltübernachtung bestraft.

Polen

Das Wildcampen ist in Polen zwar auch verboten, jedoch wird es geduldet. Dabei wird dann auch auf Strafen verzichtet, in den letzten 20 Jahren gab es keine Bußgelder fürs illegale Campen. Wenn Sie aber doch lieber auf Nummer sicher gehen möchten, empfiehlt es sich einen Bauern nach einem Schlafplatz auf einer Weide zu bitten. Mit dieser Einverständniserklärung steht Ihrer Übernachtung unter freiem Himmel nichts mehr im Wege.

Norwegen, Schweden und Finnland

Wenn Sie in der unberührten Natur Ihre Zelte aufschlagen wollen, sind Sie in Skandinavien richtig. Das Jedermannsrecht erlaubt es Ihnen fast überall zu nächtigen. Wenn Sie mit dem Pferd, dem Fahrrad, mit dem Kanu oder als Wanderer unterwegs sind, dürfen Sie sogar auf Privatgrundstück ohne eine Erlaubnis übernachten. Natürlich müssen Sie sich dabei an ein paar Regeln halten. So dürfen Sie zum Beispiel wirklich nur eine Nacht dort übernachten und es muss sichergestellt werden, dass sich Ihr Zelt nicht in Sichtweite eines Privathauses befindet. Außerdem dürfen Sie kein offenes Feuer errichten und müssen beim Verlassen Ihren Müll mitnehmen. Mit dem Wohnmobil dürfen Sie immerhin auf öffentlichen Parkplätzen, am Ende einer Straße und sogar direkt am Strand übernachten.

Dänemark

In Dänemark sieht es dagegen etwas anders aus. Wenn Sie mit Ihrem Wohnmobil unterwegs sind, dürfen Sie nur auf Campingplätzen übernachten. Ansonsten drohen Ihnen hier auch hohe Strafen. Mit dem Zelt dürfen Sie höchstens eine Nacht in 40 ausgewiesenen Wäldern übernachten. Ein Lagerfeuer dürfen Sie aber nicht entfachen und Ihr Zelt muss sich außer Sichtweite eines Privathauses befinden. Neben diesen Wäldern dürfen Sie gegen eine geringe Gebühr auch auf einigen Naturlagerplätzen übernachten. An den Stränden ist eine Nacht mit dem Zelt leider auch verboten.

Schottland

Durch den Scottish Outdoor Access Code (ähnlich wie das Jedermannsrecht in Skandinavien) ist es Ihnen gestattet in Schottland frei zu zelten. Natürlich gibt es hier auch ein paar Ausnahmen. Dazu zählen die Ostseite des Loch Lomonds (März bis Oktober), manche Nationalparks, Naturschutzgebiete, Jagdgebiete und landwirtschaftliche Flächen. Diese Plätze sind aber immer gut ausgeschildert. Das Fahrzeug darf bis zu 15 Meter von der Straße entfernt geparkt werden. Meist ist es aber besser das Auto auf einer dafür vorgesehenen Fläche abzustellen und den Weg zu laufen. Vorschriften für das Zelten in Schottland stehen ebenfalls im Scottish Outdoor Access Code, dazu zählen selbstverständliche Dinge wie Müll mitnehmen, keine Bäume fällen und kein offenes Feuer machen.

Portugal, Griechenland, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Rumänien, Russland, Bulgarien, Slowakei, Slowenien, Ungarn und Tschechien

In all diesen Ländern ist Wildcampen laut ADAC strengstens verboten. Sie dürfen dort weder auf Parkplätzen, noch auf Privatgrundstücken Ihr Zelt aufschlagen. Auch nicht um sich nur eine Nacht zu erholen. In Kroatien kostet Sie eine Nacht schnell mal bis zu 3.000 Kuna, also etwa 400 €. Dafür gibt es in diesen Ländern aber auch viele kleine und schöne Campingplätze.

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